Alle erbringen
Performance Excellence unter schwierigen Bedingungen und genau dann,
wenn es darauf ankommt. Das unterscheidet sie und macht sie zu Spitzenkräften ihrer Disziplin. Dabei ist, bspw. im Sport, operative Exzellenz nicht der einzige Erfolgsfaktor – es gibt viele sogenannte Trainingsweltmeister. Vielmehr ist
Mentale Höchstleistung, also eine optimale Koordination der Fähigkeiten und Druck und auf höchsten Niveau wenn es darauf ankommt,
die entscheidende Komponente.
Dieser Artikel setzt sich mit Mental Management auseinander, insebsondere dabei praktischen Ansätzen Mentale Top Performance zu trainieren. Ich persönlich habe dies während meiner letzten Wettkampfsaison im Rahmen der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Athen kennengelernt, ausprobiert und war von dem Erfolg begeistert.

Im November 2003 erfuhr ich im Trainingslager in Colorado Spring durch einen Freund von Larry Basshams Buch „With Winning in Mind“. Als Gewehrschütze lag Larry bei den Olympischen Spielen in München 1972 bis einen Schuss vor Ende auf Goldkurs und „versemmelte“ den letzen Versuch, so dass er Bronze gewann. „Was unterscheidet echte Champions, Leute die immer und immer wieder in der Lage sind Welt- und Europameister zu werden, von denen die Plätze 2-10 einnehmen ?“, fragte er sich. Um den Unterschied und das „Rezept für den Erfolg“ kennen zu lernen führte er in den darauffolgenden Jahren Interviews mit sog. „echten Champions“. Larry kam zu der Erkenntnis das echte Weltmeister nicht Weltmeister „werden wollen“ – sie werden es, weil sie wissen das sie es können!!
Zu Beginn des eines Lernprozesses erfolgen die Abläufe im menschlichen Gehirn noch bewusst. Sind diese erst automatisiert, so übernimmt das Unterbewusstsein die Steuerung und führt die komplexen Teilabläufe zu einem Top-Ergebniss zusammen. Bei der Koordination von sportlichen Abläufen geschieht dies im Optimalfall fast vollständig unterbewusst – das Bewusstsein kontrolliert lediglich und steuert in einzelnen Nuancen gegen. Und hier liegt auch die entscheidende Erkenntnis: Um eine optimale Performance erzielen zu können, muss der Athlet in der Lage sein – und den Mut besitzen – die Steuerung seiner Abläufe durch das Unterbewusstsein „geschehen“ zu lassen – „keep the Flow“. Er darf sich also bei wichtigen Ereignissen nicht aus der Ruhe bringen lassen, sondern seinem Körper die Chance geben, die 100.000 Mal geübten Abläufe nun auch im Wettkampf wiederholen zu dürfen. Greift er jedoch bewusst ein, um es nun „besonders gut zu machen“ dann kann das ein paar Mal gut gehen. Nach eininge Versuchen jedoch ist das komplexe Zusammenspiel gestört und es geschehen Fehler die weit außerhalb des üblichen Leistungsniveau liegen.
In der u.g. Abbildung sieht man einen exemplarischen Verlauf am Beispiel eines Schießwettkampfs. Die Konzentration ist durch die Wettkampfsituation sehr hoch und der Athlet sehr nervös. Er macht sich über das Ergebnis vorest keine Gedanken. Das Unterbewusstsein steuert den Ablauf!!
Für ihn unerwartet liegen die Resultate deutlich über seinem Erwartungshorizont. Nach drei Schuss denkt er, er müsse nun eingreifen und sich „besonders konzentrieren“ um das hohe Leistungslevel zu kompensieren. Die Folge: Unausgewogene Koordination der Konzentration durch das Eingreifen des Bewusstseins und eine fünf(!). Der Athlet ärgert sich und schießt noch eine sechs hinterher.
Wissend, dass er nun die vorderen Plätze vergessen kann, der Ausgang des Wettkampf ist nun nicht mehr so wichtig, sinkt die Nervosität und das Unterbewusstsein übernimmt, wie im Training, wieder die Kontrolle. Der Athlet performt gemäß seinen Fähigkeiten und zeigt die Trainingsergebnisse „ohne Störung“ auch im Wettkampf.

Dieses o.g. Beispiel beschreibt die Komponenten des Erfolgs, die auch Bassham in seinem Buch nennt:
- Zu allererst ist das Training, also die erarbeiteten Fähigkeiten überhaupt die Grundlage für den Erfolg. Man kann im Wettkampf nur das Leisten, was man im Training absolviert hat. Hierbei geht es auch darum die optimale Situation sich immer wieder vorzustellen. Das Gehirn kann nur sehr schwer zwischen Erlebten und Vorgestellten unterscheiden, und kann somit die richtige, vorher vorgestellte Bewegung, noch einmal ablaufen lassen.
- Als zweites zentrales Element ist der Erwartungshorizont zu nennen. Nur wenn das Selbstbild mit dem Leistungsziel übereinstimmt, dann ist der Athlet auch in der Lage außerordentliches zu leisten, weil er sich mit dem hohen Leistungslevel identifiziert. Das Selbstbild ist ganz maßgeblich von der Fremdwahrnehmung bestimmt. Umso wichtiger ist die Kommunikation. Wenn ich zum Ausdruck bringe das ich das erreichen kann („Ich bin in der Lage das zu tun, Ich bin Weltmeister“) dann nehmen mich andere auch so war, was wiederum mein Selbstbild beinflusst.
- Das Bewusstsein als solches beobachtet nur die Abläufe und korrigiert falls erforderlich
Das U-Boot Modell - die Art und Größe des Unterseeboot entspricht dem Selbstbild, das Unterbewusstsein dem Antrieb und das Bewusstsein dem Periskop, das den Weg zu optimaler Performance von Zeit zu Zeit überprüft.

„Herr Becker – was haben sie vor Ihrem Matchball gedacht ?“ – „Nichts!“
Das genau beschreibt den Optimalzustand. Um eine optimale Performance zu erreichen muss man das gute Ergebnis geschehen lassen, seinem Bewegungsfluss vertrauen. Das beschränkt sich nicht nur auf den Sport. Auch bei Piloten und Chirurgen sind diese Methoden bekannt. Landesituation und komplizierte Eingriffe werden im Vorfeld immer wieder mental geübt. Man stellt sich den optimalen Ablauf vor, visualisiert ihn. Das Gehirn kann dann im Fall der Fälle ohne Probleme folgen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten dies zu trainineren. Neben der Tatsache sich im Trainingstagebuch intensiv mit den Dingen des mentalen Trainings auseinanderzusetzen, haben wir im Schießtraining ein Training realisiert um „den Flow“ zu erlernen, d.h. unabhängig vom Ergebnis an jedem einzelnen Schuss zu arbeiten. Das Ziel ist 15 Mal in Folge eine hohe Konzetrationsleistung zu erbringen. In meinem Fall war das eine neun, die sicher zu erreichen war, wenn man sich von Schuss „überraschen lässt“. Das Unterbewusstsein sorgt für den Abzugsvorgang und kontrolliert gleichzeitig die Übereinstimmung von Kimme und Korn. Bei einer 8 oder schlechter musste von vorne begonnen werden. Das hat dann in Summe schon mal zwei oder auch drei Stunden gedauert. Schlussendlich ist dies aber genau die „Gleichmütigkeit“ der „Flow“ den man entwickeln muss, wenn man im Wettkampf 20 Mal jeden einzelnen Schuss, unabhängig von dem vorherigen Ergebnis erarbeiten muss. – Es hat geklappt. Mit 187 wurde ich beim Schießen in Mexico zweiter
, ohne genau zu wissen, wie ich das gemacht habe…

Mit mentalem Training kann man in neue Leistungsbereich vorstoßen! Vor allem aber kann man seine Leistungsfähigkeit voll ausschöpfen. Dabei kann das Anwendungsgebiet auch im privaten (z.B. Nichtraucher sein) oder beruflichen Umfeld stattfinden.
Wichtig ist dabei dass man zielgerichtet arbeitet, das Unterbewusstsein trainiert, sich mit Zielstellung identifiziert („Ich rede ohne Probleme vor 400 Leuten“) und in entscheidenden Situationen sich nicht „unter Druck“ setzt, sondern auf seine vorher erlernten und mental trainierten Fähigkeiten vertraut.